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Franziska Drohsel tritt zurück

Bundespolitik

Brief von Franziska Drohsel
12. Mai 2010
Liebe Genossinnen und Genossen,

auf dem Juso-Bundeskongress in Essen werde ich vom Amt der Juso-Bundesvorsitzenden zurücktreten. Die Gründe sind ausschließlich persönlicher und nicht politischer Natur.

In diesem Brief möchte ich Euch die Gründe erläutern und um Verständnis bitten.

Ich habe den Juso-Bundesvorsitz nie als Sprungbrett in die Berufspolitik gesehen, sondern stets betont, dass ich meine Ausbildung beenden möchte. Unterschiedliche Faktoren sind nun zusammengekommen, so dass eine Fortsetzung meiner Ausbildung zu diesem Zeitpunkt für mich notwendig erscheint. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Es war eine großartige Erfahrung, mit so vielen engagierten Genossinnen und Genossen zusammenarbeiten und für linke Positionen zu kämpfen. Ich habe es stets als etwas Besonderes empfunden, diesem Verband vorstehen zu dürfen und einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, dass die Jusos entsprechend ihrer Tradition und ihrer Geschichte ein linker Jugendverband bleiben, der den demokratischen Sozialismus zum Ziel hat und sich tagtäglich gegen jegliche Ungleichheit einsetzt.

Der Juso-Verband ist in einem guten Zustand, so dass ich diese Entscheidung auch politisch verantworten kann. Wir haben in den letzten Jahren unser inhaltliches Profil als linker Jugendverband mit der Debatte um das Thesenpapier „63 Thesen - Für eine Linke der Zukunft“ und unserem Buch „Was ist heute links?“ geschärft. Wir haben offen und kontrovers auf den drei Kongressen in Berlin mit teilweise über 1000 Teilnehmern diskutiert. Auf den Bundeskongressen haben wir neue Beschlusslagen geschaffen. Ich erinnere zum Beispiel an die Ablehnung von jeglichen Sanktionen gegen Erwerbslose oder die Abschaffung des § 129 a StGB. Wir haben uns in die Diskussion um die Ausrichtung der SPD offensiv eingebracht. Wir waren von Anfang an dagegen, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei kategorisch auszuschließen. Wir haben dafür gekämpft, dass die SPD die Regierungsjahre kritisch diskutiert, reflektiert und eine Neupositionierung vornimmt. Wir haben uns in der Partei und auf der Straße gegen die Bahnprivatisierung eingesetzt. Mit unserem Engagement konnten wir auf dem Bundesparteitag im November sogar die Vermögenssteuer durchsetzen. Wir haben im Sinne der Doppelstrategie den Austausch mit anderen Jugendverbänden und linken Gruppen gesucht. Bei zahlreichen außerparlamentarischen Aktionen waren wir mit dabei – in Dresden und den vielen antifaschistischen Aktivitäten, bei der Anti-Atom-Menschenkette, bei den „Freiheit statt Angst“ – Demonstrationen und vielem mehr.

Ich habe keinen Zweifel, dass die Jusos auch weiterhin als linker Jugendverband kämpferisch, offensiv und leidenschaftlich für eine linke Politik in der Gesellschaft und in der Partei eintreten werden.

Ich bitte darum, mir diese Entscheidung nicht übel zu nehmen. Ich habe in der Zeit als Juso-Vorsitzende versucht, mit maximalem Einsatz für die Jusos zu arbeiten und für unsere Positionen zu kämpfen. Ich hoffe, dass mir das ab und an gelungen ist. Jetzt muss ich die Voraussetzung dafür schaffen, dass ich mich auch in Zukunft für unsere Überzeugungen an welcher Stelle auch immer einsetzen kann. Diese Voraussetzung ist für mich der Abschluss meiner Ausbildung, das zweite juristische Staatsexamen.

Ich möchte mich bei Euch bedanken für den Zuspruch, die Kritik, die gemeinsame Arbeit und die Solidarität, die ich über den gesamten Zeitraum erfahren durfte. Ich danke den beiden Bundesvorständen für die Zusammenarbeit, viele solidarische Diskussionen und gemeinsame Aktionen. Besonders möchte ich mich bei Ralf Höschele für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, für den Rat und die Unterstützung bei so vielen Entscheidungen bedanken. Ich möchte mich bei allen im Juso-Bundesbüro, allen voran Katrin und Jan, bedanken. Sie leisten alle nicht nur großartige Arbeit, sondern waren mir stets ein echter Halt und eine große Unterstützung.

Am schönsten war zu erleben, wie viele Genossinnen und Genossen es vor Ort gibt, welche Kämpfe sie ausfechten und welchen Mut sie dabei aufbringen. Dies war für mich letztlich immer wieder die Motivation für meine Arbeit, die teilweise auch mit hohen Belastungen einherging. So viele junge Menschen, die gemeinsam für unsere Überzeugungen, für Freiheit, Gleichheit und Solidarität kämpfen, sind Antrieb und Verpflichtung zugleich.

Ich wünsche Euch und unserem Verband alles Gute, kämpferische Jahre, konstruktive Auseinandersetzungen und Solidarität im Umgang miteinander.

Mit sozialistischen Grüßen

Eure Franziska

 
 

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